Schatten-KI: Wegsehen ist eine Entscheidung

Shownotes

In Ihrem Unternehmen arbeitet vermutlich gerade eine künstliche Intelligenz, die niemand eingekauft hat. Niemand hat sie freigegeben, niemand hat sie geprüft, und in der Regel weiß auch niemand, welche Daten sie sieht. Diese Folge beginnt mit einer Korrektur in eigener Sache: Am Ende der letzten Folge haben wir Ihnen eine Zahl mitgegeben, die in zwei Punkten falsch war. Danach das Lagebild, zwei Zahlen, die man ausdrücklich nicht übereinanderlegen darf, und das Gespräch, das in den allermeisten Unternehmen nie geführt wird. Frank Wichert dazu: Schatten-KI ist kein Technikproblem, sondern ein Wahrnehmungsproblem. Wer sicher ausschließt, hat in aller Regel nicht gemessen, sondern entschieden, dass es das bei ihm nicht gibt.

Die Themen:
- Die Korrektur in eigener Sache: In Folge 3 hieß es, 71 Prozent der Unternehmen berichteten von nicht freigegebener KI. Richtig sind 69 Prozent, und es sind Führungskräfte, nicht Unternehmen: 2.600 Führungskräfte in 13 Ländern, befragt von Oxford Economics für SAP, gefragt wurde nach "mindestens gelegentlich"
- Woher der Fehler kam: aus einer eigenen Projektnotiz, die nie gegen das Original geprüft wurde
- Das Lagebild für Deutschland: 8 Prozent der Unternehmen sagen, private KI-Nutzung ist weit verbreitet, 17 Prozent kennen Einzelfälle, 17 Prozent vermuten es, zusammen 42 Prozent, die es wissen oder ahnen
- Die zweite Fehlerklasse: Die überall als "Bitkom-Studie 2026" zitierte Erhebung stammt aus dem Sommer 2025
- Die dritte Fehlerklasse: Die kursierenden 670.000 Dollar Mehrkosten und 20 Prozent stehen so im IBM-Bericht des Vorjahres. Im aktuellen stehen 43 Prozent und 5,39 Millionen Dollar
- Warum 29 und 43 Prozent nicht gegeneinander gerechnet werden dürfen: 29 Prozent ist ein Anteil an allen befragten Unternehmen, 43 Prozent ein Anteil an denen, die bereits eine Datenpanne hatten. Kein Widerspruch, sondern etwas Unangenehmeres
- Die Zahl, auf die es ankommt: 68 Prozent der Organisationen mit Datenpanne hatten kein Regelwerk für KI. Im Vorjahr waren es 63 Prozent, es wird also schlechter, nicht besser
- Warum am Anfang kein Regelbruch steht, sondern Ehrgeiz, und warum ein Verbot ohne offiziellen Weg nicht die Bequemen bestraft, sondern die Engagierten
- Die Führungslücke in zwei Zahlen: 26 Prozent der Unternehmen bieten einen offiziellen KI-Zugang an, deutlich mehr wissen oder ahnen, dass ohne Weg gearbeitet wird
- Die Kontrolle nimmt ab, während sich die Vorfälle verdoppeln: Freigabepflicht durch die eigene Technikabteilung bei 38 Prozent, im Vorjahr 45 Prozent. Nur 19 Prozent lassen Governance und Security überhaupt zusammenarbeiten
- Der Unterschied zwischen einem Verbot und einer Regel: Das Verbot verlagert die Entscheidung nach unten, die Regel nimmt sie ab
- Das Gespräch, das nie geführt wird, in beiden Fassungen durchgespielt. Die Entscheidung fällt nicht in der Geschäftsführung, sondern an einem Dienstagvormittag, wortlos
- Drei Schritte für diese Woche: messen statt urteilen, einen Weg anbieten, bevor Sie einen verbieten, und das Gespräch einmal wirklich führen

Quellen:
- IBM, Cost of a Data Breach Report 2026, durchgeführt vom Ponemon Institute, gesponsert und analysiert von IBM, veröffentlicht am 29. Juli 2026. 602 Organisationen mit Datenpannen zwischen März 2025 und Februar 2026, 16 Länder und Regionen, 17 Branchen, 3.558 Interviews. Im Wortlaut: "Security incidents involving an organization's shadow AI - where workers use unapproved AI - more than doubled to 43% this year from 20% last year. These incidents led to higher average breach costs this year (USD 5.39 million) than last year (USD 4.63 million)." Ebenso die Werte zur KI-Governance: 32 Prozent haben Richtlinien, 38 Prozent eine strikte Freigabepflicht (Vorjahr 45), 19 Prozent koordinieren Governance und Security: https://www.ibm.com/reports/data-breach
- Bitkom, Presseinformation vom 21. Oktober 2025, "Beschäftigte nutzen vermehrt Schatten-KI". Bitkom Research, 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch befragt in den Kalenderwochen 27 bis 32 des Jahres 2025, repräsentativ: 8 Prozent weit verbreitet, 17 Prozent Einzelfälle, 17 Prozent Vermutung, 29 Prozent schließen es sicher aus, 26 Prozent stellen einen offiziellen Zugang bereit: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Beschaeftigte-nutzen-Schatten-KI
- SAP Value of AI Report 2026, erstellt mit Oxford Economics, veröffentlicht am 15. Juli 2026, 2.600 Führungskräfte in 13 Ländern. 69 Prozent sagen, Schatten-KI kommt mindestens gelegentlich vor. Global erhoben, ohne Länderaufschlüsselung. Dies ist die korrigierte Zahl aus Folge 3: https://news.sap.com/2026/07/business-value-ai-spiking-increased-adoption-agentic-expectations/

Nächste Folge am 19. August: Warum kaum noch jemand führen will, und was Unternehmen dagegen tun können.

Mehr zum Podcast und zum Buch: https://darc-transform.de/podcast/

KI-Transparenz: Beide Stimmen in dieser Folge sind KI-generiert, auch Frank hören Sie als KI-Stimme. Die Gedanken und die Worte sind seine. Mehr: https://darc-transform.de/podcast/

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