Darf Ihr Marketing noch KI nutzen? Das Etikett „kommerziell sicher“ auf dem Prüfstand
Shownotes
Das Landgericht München I hat der GEMA gegen den Musikgenerator Suno überwiegend recht gegeben. Darf Ihr Marketing jetzt noch mit künstlicher Intelligenz Bilder, Texte und Musik erzeugen? In Nachgemessen nehmen wir uns dafür kein Musikversprechen vor, sondern das Wort, auf das sich ein Marketing verlässt: sicher. Adobe beschriftet seine Firefly-Modelle mit „Kommerziell sicher“. Wir lesen den Vertrag dazu und fragen: Wer ist abgesichert, was ist abgesichert, und bis zu welcher Summe? Dazu ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm über einen KI-Chatbot, drei Schritte für diese Woche und eine terminierte Prognose zum Bundesgerichtshof.
Die Themen:
- Der Anlass: Landgericht München I, Urteil vom 31. Juli 2026, GEMA gegen Suno, sechs Musikwerke. Die Stücke waren im Modell memorisiert, und für die wiedererkennbaren Ausgaben aus einfachen Prompts sah das Gericht den Anbieter verantwortlich, nicht die Nutzer. Das Urteil ist nicht rechtskräftig
- Warum das viele betrifft: Nach der amtlichen Statistik nutzten 2025 gut ein Viertel der Unternehmen ab zehn Beschäftigten künstliche Intelligenz, 52 Prozent davon erzeugen damit Bilder, Videos oder Ton
- Das Versprechen wörtlich: Auf der deutschen Firefly-Seite stehen die Adobe-Modelle unter dem Etikett „Kommerziell sicher“. In der FAQ formuliert Adobe vorsichtiger, die Modelle seien „für die kommerzielle Nutzung geeignet“, und begründet das mit lizenziertem Trainingsmaterial aus Adobe Stock und gemeinfreien Inhalten
- Die Messung ist diesmal der Vertrag: In seinen Zusatzbedingungen für generative KI (gültig seit 23. April 2026) schließt Adobe die Gewähr aus, dass Ergebnisse keine Rechte Dritter verletzen. Die Freistellung gibt es nur für Teams- und Unternehmenskunden in bestimmten Tarifen, sie entfällt bei Bearbeitung und bei Kombination mit anderem Material, gilt nicht für Modelle anderer Hersteller und ist auf 10.000 US-Dollar je Ergebnis oder Anspruch gedeckelt. Musik ist seit Juli 2026 ausdrücklich abgedeckt
- Der Kontrast: Suno wirbt bei bezahlten Tarifen mit kommerziellen Nutzungsrechten. In den Nutzungsbedingungen steht keine Zusage, dass die Nutzung keine Rechte Dritter verletzt, die Freistellung läuft umgekehrt zugunsten von Suno, und die Haftung ist auf die Zahlungen der letzten sechs Monate begrenzt, mindestens 100 US-Dollar
- Franks Einordnung: München hat entschieden, dass ein einfacher Prompt den Nutzer nicht zum Vervielfältiger macht. Offen ist, was gilt, wenn ein Unternehmen das Ergebnis veröffentlicht
- Nachgefragt: Ist Suno jetzt verboten? Bin ich als Unternehmen raus? Gehört mir, was die Maschine erzeugt (Amtsgericht München, 13. Februar 2026, drei KI-Logos ohne Schutz)? Und reicht ein Hinweis „mit KI erstellt“?
- Das Lagerfeuer: Das Oberlandesgericht Hamm hat am 12. Mai 2026 ein Unternehmen für die Aussagen seines KI-Chatbots verantwortlich gemacht. Der Einwand, das Publikum kenne die Fehleranfälligkeit von KI, half nicht. Die Revision ist zugelassen
- Drei Schritte für diese Woche, ohne Budget: eine Inventur der Werkzeuge und Tarife, in jedem Vertrag die Stelle zu Gewähr und Freistellung lesen, und alles Veröffentlichte samt Chatbot-Antworten freigeben wie eine Anzeige
- Die Prognose der Folge, geführt in unserem Mess-Sheet: Am 17. Dezember 2026 entscheidet der Bundesgerichtshof im Fall LAION nicht abschließend, sondern legt dem Europäischen Gerichtshof Fragen zum Text und Data Mining vor. Wird der Termin verschoben, lösen wir am neuen Termin auf
Quellen:
- Landgericht München I, Pressemitteilung 16/2026 vom 31. Juli 2026 (Az. 42 O 763/25): https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/landgericht/muenchen-1/presse/2026/16.php
- Dasselbe Urteil im Volltext: https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2026-N-17961
- Statistisches Bundesamt, Unternehmen mit Nutzung von künstlicher Intelligenz 2025: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/IKT-in-Unternehmen-IKT-Branche/Tabellen/ikti-unternehmen-kuenstliche-intelligenz.html
- Adobe Firefly, deutsche Produktseite mit Etikett und FAQ: https://www.adobe.com/de/products/firefly.html
- Adobe, Generative AI Product Specific Terms, gültig seit 23. April 2026: https://www.adobe.com/go/adobe-gen-ai-addl-terms
- Adobe, Produktbeschreibung Firefly mit der Liste der abgesicherten Funktionen: https://helpx.adobe.com/legal/product-descriptions/adobe-firefly.html
- Suno, Preisseite: https://suno.com/pricing
- Suno, Nutzungsbedingungen, gültig seit 3. September 2026: https://suno.com/terms
- Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 12. Mai 2026 (Az. 4 UKl 3/25), Volltext: https://nrwe.justiz.nrw.de/olgs/hamm/j2026/4_UKl_3_25_Urteil_20260512.html
- Amtsgericht München, Endurteil vom 13. Februar 2026 (Az. 142 C 9786/25), Volltext: https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2026-N-1513
- Bundesgerichtshof, Terminhinweis I ZR 281/25, Verkündung am 17. Dezember 2026: https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Termine/DE/Termine/IZR281-25.html
Wichtig: Diese Folge ist keine Rechtsberatung. Die Urteile aus München (GEMA gegen Suno) und Hamm sind nicht rechtskräftig; zur Rechtskraft des Amtsgerichtsurteils liegt uns kein Beleg vor.
Unser Mess-Sheet mit allen geprüften Versprechen und den offenen Prognosen: https://darc-transform.de/podcast/mess-sheet/
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Nächste Folge am 23. September: Franks Buch „Führung, Verantwortung und der KI-Dschungel“ und was drinsteht. Wie immer mittwochs um 11:07 Uhr.
Mehr zum Podcast und zum Buch: https://darc-transform.de/podcast/
KI-Transparenz: Beide Stimmen in dieser Folge sind KI-generiert, auch Frank hören Sie als KI-Stimme. Die Gedanken und die Worte sind seine. Mehr: https://darc-transform.de/podcast/
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